Frauen im öffentlichen Dienst: Kindererziehungszeiten

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Frauen im öffentlichen Dienst: Kindererziehungszeiten

Bei der späteren Rentenberechnung zählen Kindererziehungszeiten zu den Beitragszeiten. Der Bund bezahlt die Beiträge dafür an die Rentenversicherung. Für jedes vor dem 1.1.1992 geborene Kind wird nur das erste Jahr nach der Geburt angerechnet. Für jedes ab dem 1.1.1992 geborene Kind werden die ersten drei Jahre als Kindererziehungszeit angerechnet. In beiden Fällen verdoppeln sich die Zeiten bei Zwillingsgeburten, jedes Kind wird also für sich berücksichtigt. Berechnungsgrundlage ist der Durchschnittsverdienst aller Versicherten im jeweiligen Erziehungsjahr (2009 sind dies 30.879 Euro). Neben den leiblichen Eltern können unter bestimmten Bedingungen zum Beispiel auch Adoptiv-, Stief- oder Pflegeeltern Kindererziehungszeiten erhalten. Auch Großeltern oder Verwandte können Kindererziehungszeiten geltend machen, wenn ein auf Dauer angelegtes Pflegeverhältnis mit häuslicher Gemeinschaft besteht. Nicht angerechnet werden Kindererziehungszeiten bei Beamten, Pensionärinnen, Richtern oder Soldatinnen, Beziehern einer Altersrente oder Personen, die das 65. Lebensjahr bereits vollendet haben. Wer während der Kindererziehungszeit weiter arbeitet, profitiert später bei der Rente. Denn dann werden die Entgeltpunkte für die Kindererziehung und die Entgeltpunkte aus der Beschäftigung addiert – allerdings höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze, die 2009 bei 64.800 Euro in den alten und 54.600 Euro in den neuen Bundesländern liegt. Für den Rentenanspruch muss die allgemeine -Wartezeit von fünf Jahren eingehalten bzw. mit freiwilligen Beiträgen aufgefüllt werden. Dabei genügen Mindestbeiträge von zur Zeit monatlich 79,60 Euro.
Zur Aufwertung der Rente sorgen auch Kinderberücksichtigungszeiten. Wenn Mütter
nach dem dritten Lebensjahr des Kindes wieder erwerbstätig sind, möglicherweise aber unterdurchschnittlich verdienen, weil sie nur in Teilzeit arbeiten, werden die Rentenbeiträge bis um 50 Prozent auf maximal 100 Prozent des Durchschnittseinkommens (brutto monatlich 2.573,25 Euro) aufgewertet.




TIPP
Auslandsaufenthalt zeitlich begrenzen

In Bezug auf die Rentenversicherung heißt das Motto: Kindererziehung vs. Mobilität. Denn Kindererziehungszeiten werden nur angerechnet, wenn das Kind in Deutschland erzogen wird. Falls Sie Ihrem Mann ins Ausland folgen – aus Karrieregründen vielleicht –, dort keine Arbeit finden und mit Ihren Kindern nach Deutschland zurückkommen, gehen Sie leer aus. Sie oder Ihr Ehemann müssten schon von einem inländischen Arbeitgeber zeitlich begrenzt ins Ausland geschickt werden, damit Kindererziehungszeiten berücksichtigt werden. Für diese Tätigkeit müssen dann wiederum Pflichtbeiträge in die deutsche Rentenversicherung einbezahlt werden. Zwar hat der Europäische Gerichtshof bereits im Jahr 2000 entschieden, dass diese Regelung, Kindererziehung nur in Deutschland rentenrechtlich anzuerkennen, gegen europäisches Recht verstößt (EuGH C135/99). Trotzdem wurde dieses Urteil, das ja letztlich auch die Freizügigkeit und vielbeschworene Mobilität einschränkt, bei der Rentenreform 2001 nicht berücksichtigt.

Beispiel I
Eine Frau mit einem Kind nimmt drei Jahre nach der Geburt eine Halbtagsstelle als Bürokauffrau an, mit der sie die Hälfte eines Durchschnittseinkommens
verdient. Bei einer Rentenberechnung werden die ersten drei Jahre als Kindererziehungszeiten berücksichtigt. Hierfür würde sie derzeit 81,60 Euro mehr Rente im Monat erhalten. Die sieben Jahre Teilzeittätigkeit in der Kinderberücksichtigungszeit wird um 50 Prozent aufgewertet. Hierdurch kommen noch einmal 47,60 Euro dazu. Ergo bringt ihr die Erziehung des Kindes bei der Rente derzeit monatlich rund 129,20 Euro mehr.

Beispiel II
Eine Frau hat drei Kinder. Sie kamen jeweils im Abstand von vier Jahren auf die Welt. Als das jüngste Kind drei Jahre alt ist, arbeitet die Mutter wieder als teilzeit beschäftigte Buchhalterin. Sie verdient 40 Prozent des Durchschnittseinkommens.
Als Kinderberücksichtigungszeit werden insgesamt 18 Jahre anerkannt. Davon werden für neun Jahre Kindererziehungszeiten mit einem Rentenertrag von rund 245 Euro anerkannt. Zusätzlich werden vier Jahre wegen der Erziehung zweier Kinder unter zehn Jahren mit rund 20 Euro bei der Rente gefördert. Zusätzlich sind noch sieben Jahre der Erwerbstätigkeit zu berücksichtigen, die um 50 Prozent aufgewertet werden. Dies bringt ihr weitere 38 Euro – also insgesamt monatlich rund 303 Euro mehr Rente. (aus: Rentenratgeber für Frauen, BMAS)





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