Frauen im öffentlichen Dienst: Beurlaubung

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Frauen im öffentlichen Dienst: Beurlaubung

Aus familienpolitischen Gründen können sich Beschäftigte im öffentlichen Dienst beurlauben lassen. Vielleicht wollen sie sich nach der -Elternzeit weiterhin ausschließlich um die Erziehung ihres Kindes kümmern, vielleicht müssen sie einen
Angehörigen intensiv pflegen. Der Sonderurlaub wird nur genehmigt, wenn keine zwingenden dienstlichen Belange entgegenstehen. :Nebentätigkeiten dürfen dem
Zweck der Freistellung nicht zuwider laufen. Eine vorzeitige Rückkehr ist nur mit Zustimmung des Vorgesetzten möglich. Wegen dieser Beurlaubung oder familienbedingter - Teilzeit darf niemand benachteiligt werden (§ 15 Abs. 1, 2 BGleiG). (Siehe Anhang Gleichstellungsgesetze: Familiengerechte Arbeitszeiten)

...für Tarifbeschäftigte
Eine Beurlaubung ohne Fortzahlung der Bezüge ist möglich, wenn die Sorgeberechtigte mindestens ein Kind unter 18 Jahren oder – ärztlich bescheinigt – einen pflegebedürftigen Angehörigen zu betreuen hat.
Der TVöD regelt Sonderurlaub in § 28. Eine Beurlaubung zur Kinderbetreuung kann über fünf Jahre hinausgehen und hat, ganz im Sinne des BGleiG, keine negativen Auswirkungen. Es sind „unschädliche“ Unterbrechungszeiten nach § 17 Abs. 3 Satz 2 TVöD. „Die vor der Unterbrechung erreichte Stufe wird ... angehalten und läuft bei Wiederaufnahme der Beschäftigung nathlos ... weiter ...“. Beurlaubungen zur Pflege sind diesen Bedingungen gleichgestellt.




HINWEIS
Immer am Ball bleiben

Beurlaubung ohne Fortzahlung der Bezüge ist ein beliebtes Instrument innerhalb des öffentlichen Dienstes, um Kinder oder Angehörige zu betreuen und
trotzdem die Sicherheit eines Arbeitsplatzes nicht aufgeben zu müssen. Beurlaubungen werden fast ausschließlich von Frauen wahrgenommen, die wenigen Männer, die sich wegen Familienpflichten beurlauben lassen, sind in der Betrachtung zu vernachlässigen.
Also: Beurlaubung ist ein reines Frauenthema. Die Erfahrung mit langjähriger Beurlaubung zeigt, dass bei der Rückkehr nur noch sehr wenig Kenntnisse über
die tatsächlichen Arbeitsverhältnisse in einer Dienststelle vorhanden sind. Hatte die Beurlaubte während der Freistellung keinerlei Kontakt zum Arbeitgeber (Urlaubs- oder Krankheitsvertretung) und keine Gelegenheit, die internen Fortbildungen zu besuchen (oder die Gelegenheit nicht wahrgenommen), werden in den meisten Fällen die Personalverantwortlichen nicht begeistert sein, wenn sie nach langen Jahren den Anspruch auf Rückkehr formuliert. Die Zeit ist nicht stehengeblieben. Oft haben sich Abläufe völlig verändert, es gibt eventuell bereits die dritte EDV-Generation, Gesetze haben sich geändert: Der öffentliche Dienst
ist nicht mehr der von vor zwölf Jahren. Hinzu kommt, dass viele Frauen eine Teilzeitstelle beanspruchen, die aber auch im öffentlichen Dienst nicht immer sofort zu bekommen ist. Die Beurlaubte hat Anspruch darauf, in der Besoldungs- oder Gehaltsstufe beschäftigt zu werden, in der sie in die Beurlaubung gegangen ist. Wenn sie aber zurückkehrt und nicht mehr annähernd die Qualifikation mitbringt, die auf der Besoldungs- oder Gehaltsstufe akut erforderlich ist, werden sich auch die Kolleginnen und Kollegen über die Rückkehrerin nicht besonders freuen. Der
konkrete Arbeitsplatz ist meistens auch besetzt, denn freigehalten werden kann die Stelle über so viele Jahre nicht. Für die Rückkehrerin muss eine Einsatzmöglichkeit gesucht werden, was oftmals längere Zeit in Anspruch nimmt.
Deshalb: Wenn es für Sie unmöglich ist, in Teilzeit nach der Elternzeit erwerbstätig zu sein, halten Sie Kontakt zu Ihrer Dienststelle. Fragen Sie nach Urlaubsoder Krankheitsvertretungen. Nehmen Sie an den Entwicklungen Ihrer Behörde teil und steigen Sie nicht nach vielen Jahren wie Phönix aus der Asche in dem Glauben, dass sich alle darüber freuen müssen.




...für Beamtinnen
Beamtinnen können sich – ohne Dienstbezüge – bis zu 15 Jahren beurlauben lassen oder eine Teilzeitbeschäftigung beantragen, wenn sie ein Kind unter 18 Jahren zu betreuen oder einen Angehörigen zu pflegen haben (§ 92 BBG). Der Urlaub darf
auch in Verbindung mit einer Beurlaubung ohne Besoldung wegen eines Überhangs an Bewerberinnen und Bewerbern sowie Teilzeitbeschäftigung mit weniger als der Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit diesen Zeitraum nicht übersteigen. Während dieses Sonderurlaubs besteht Anspruch auf Beihilfeleistungen wie bei Beamtinnen mit Dienstbezügen (§ 92 Abs. 5 BBG). Über negative Konsequenzen, die eine Beurlaubung eventuell mit sich bringen kann (Ansprüche aus beamtenrechtlichen Regelungen), muss der Dienstherr vorher aufklären. Außerdem muss die Dienststelle der aus familiären Gründen Beurlaubten „die Verbindung zum Beruf und den beruflichen Wiedereinstieg erleichtern” (§ 92 Abs. 6 BBG), indem sie z. B. über Fortbildungsprogramme informiert wird oder ihr Urlaubs- und Krankheitsvertretungen angeboten werden. Nimmt sie während der Beurlaubung an einer :Fortbildung teil, hat sie Anspruch auf bezahlte Dienstbefreiung nach der Beurlaubung. Der Dienstherr muss außerdem mit der Beamtin rechtzeitig vor Ablauf der Beurlaubung über die Möglichkeiten einer Rückkehr in den Beruf sprechen.

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